Ein Tag im Leben der Beate B.

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Re: Ein Tag im Leben der Beate B.

Beitragvon MagdaCB500S » 23.03.2020, 08:44

Hallo CB-Freunde,
bitte regt euch nicht auf, wenn ich immer wieder zwischen durch Schreibfehler, bzw. Grammatikfehler mache, wie z.B. "Vortsetzung" anstatt Fortsetzung :wallb: und schreibt mir bitte darüber keine Nachrichten mehr :oops:
Das Fehler machen gehört zu mir, das habe ich bei der Vorstellungsrunde angekündigt. Es tut mir Leid, wenn es nervt :( Ich habe aber nicht vor jedes mal mit Duden und Grammatikbuch daneben hier etwas zu posten, nun tue ich es ganz spontan...

Liebe Grüße
Magda
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Re: Ein Tag im Leben der Beate B.

Beitragvon The Rob » 23.03.2020, 10:29

Aus meiner Sicht ist das völlig okay. :up:
Bei der zunehmenden Internationalisierung gehört es einfach dazu, dass nicht jeder alle Sprachen perfekt kann. Die Weltsprache ist schlechtes Englisch. :roll:
The Rob
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kleiner Reiseberitcht:Wie man Zuckerwatte in Polen verkauft

Beitragvon chaosracer » 24.03.2020, 14:11

............................Forsetzung..........................................

Krzysztof schrieb, er könne gerade nicht kommen weil er mit vier Mexikanern in einem Einkaufszentrum sei. Sie hätte ihn angerufen wegen irgendwelcher Probleme, sie hätten viel eingekauft und müssten in ihr Hotel. Ich bot an zu helfen und fuhr in das Einkaufszentrum.
Dort traf ich auf Krzysztof in Begleitung der vier Männer mit ihren vielen Taschen und Tüten.
Sie hatten sich im hiesigen Carrefour eingedeckt. In solchen Märkten kann man bekanntlich auch ohne Sprachkenntnisse einkaufen. Alle vier stellten sich mir namentlich vor.
Auch legten sie mir ihre Situation dar: sie arbeiteten für eine in Polen registrierte Firma, bei der sie aus China stammenden Samen weiter verpackten. Wegen Ansteckungsgefahr in der chinesischen Fabrik aber musste diese schließen. Also konnte die Ware weder geliefert werden, noch verpackt. Man hatte ihnen umgehend gekündigt. Sie zeigten mir ihre gültigen Arbeitspapiere, fast stolz, als wollten sie sagen „Seht her, wir haben nichts falsch gemacht...“
Es war noch gar nicht lange her, das man sie aus Mexiko angeworben hatte. Mit dem gesparten Geld wollten sie natürlich ihre Familie im Heimatland ernähren.
Wir besprachen, dass und wie ich sie in ihr Hotel bringen würde. In meinem Fahrzeug durfte ich ja nur mit fünft Personen fahren. Wir waren aber zu sechst. Weil weder Krzysztof noch sonst jemand gerne warten wollte, fuhren wir eben alle zusammen. Die Einkäufe konnte ich gerade eben noch im Kofferraum verstauen, die vier Ärmsten von uns mussten auf der Rückbank Platz finden.
Es waren sehr nette und schöne Menschen.
Wir fuhren zuerst in ein Industriegebiet, bogen dort in ein Waldstück ab, wo sich am Ende einer Sackgasse ein großer, hell beleuchteter Plattenbau befand. Ankunft. Das war das Hotel.
Ich half beim Tragen als wir das Gebäude betraten. Dort konnte ich so ziemlich alle Sprachen hören, derer ich mich in diesem Moment erinnerte: Rumänisch, Russisch, Ukrainisch, etwas Spanisch…. aber kein Polnisch, Englisch oder Deutsch.
Ich fragte nach der Toilette, erledigte dort mein Geschäft, dann wusch ich mir die Hände.
Unsere Fahrgäste wollten uns noch aus Dank auf einen Kaffee einladen, doch es kam anders.
Nachdem ich die Toilette verlassen hatte, fand ich Krzysztof, der im gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum mit angrenzender Küche stand, im Gespräch mit einer blondierten Dame.
Sie sprach mit ihm schlechtes Polnisch, in welchem sie ihm erklärte, er dürfe sich hier nicht aufhalten. Ich sprach sie an und fragte, ob sie Russin sei, was sie bejahte. Dann redeten wir etwas Russisch, doch ihr Akzent verriet mir eine andere Herkunft. Ihre nun überwundene Sprachbarriere mäßigte auch ihren Ton. Jedoch beharrte sie auf ihrer zuvor dargestellten Aussage. Das Gebäude sei nur für die von der Agentur XY eingestellten Arbeiter zugänglich, unser Aufenthalt dort sei nicht gestattet.
Ähnliches hatte ich bereits anderen Orts gesehen.
Krzysztof arbeitet in einer ansässigen Spedition als Disponent. Ihm sind solche Dinge noch fremd. Ich beruhigte sie etwas, sagte wir würden bald gehen, etc.
Sie verwies uns auf den „Manager“ der auch alsbald erschien. Mario, einer der Mexikaner, schaute mit seinen freundlichen Augen traurig auf die Szene.
Der „Manager“ stammte aus der Dominikanischen Republik, war gut gekleidet; er lächelte.
Ich lächelte auch, allerdings nur, um mir andere Gefühle zu unterdrücken.
Die Dame habe wohl ihre Arbeit etwas ernst genommen, aber so seien nun mal die Vorschriften. Wir könnten ja unsere Kontaktdaten austauschen, meinte er.
Ich hatte Krzysztof schon längst zum Verlassen des Geländes geraten um nicht potentielle zukünftige Arbeitsplätze unserer Freunde zu gefährden.
Wir verabschiedeten uns also und gingen unter den traurigen Blicken vierer Mexikaner.
In der beschriebenen Fabrik arbeiten ausnahmslos Nicht-Eu-Bürger zu Löhnen, die sich auch in Polen stark unter Tarif bewegen. Polnische Mindestlöhne werden stark unterboten.
Weil aber ukrainische Fabrikarbeiterinnen etwa 126€ monatlich verdienen, was rund der Hälfte des chinesischen Mindestlohnes und dem ungefähren Einkommen einer Näherin in Bangladesch entspricht, lohnt es sich für sie gerade eben. Unterkunft wird ja gestellt. Anders können asiatische Produzenten die hiesige Konkurrenz kaum unterbieten.
Die Mexikaner planten oder planen vermutlich noch, sich mit ihren noch gültigen Arbeitspapieren auf den Weg nach Warschau – einmal durch ganz Polen – zu bewegen, um dort nach Arbeit zu suchen. Von Mexiko ist ihnen offenbar diese Art von Problemen sowie ein derartiger Lösungsansatz bekannt.
Krzysztof konnte die Situation einfach nicht fassen; im eigenen Land wird ihm von einer Ukrainerin verboten, sich in einem Gebäude aufzuhalten, wo sich seine Freunde befinden.
All das ist aber nur ein Produkt der mittlerweile weit verbreiteten, modernen Sklaverei. Fleischfabriken in Rheda-Wiedenbrück arbeiten nach dem gleichen Prinzip. Von dort verteilen sie ihre fragwürdigen Produkte an sämtliche deutschen Supermärkte mit unterschiedlicher Etikettierung.
Am Abend gingen wir noch etwas spazieren. Wir betrachteten die Kirchen. Krzysztof ging wieder früh nach Hause. Ich sah wieder, diesmal weibliche, friedensbringende Offiziere amerikanischer Herkunft, die sich von ihren guten Gehältern betranken.
Ein glatzköpfiger, betrunkener Störenfried sprach mich und auch andere an. Ich verstand kein Wort. Dem Herren wurde von der Bedienung (24 Jahre, Monika) nach wenigen Minuten mit deutlichen Worten ein Platzverweis erteilt. Er verließ ohne Widerstand leis das Lokal.
In Finsterwalde werden solche oftmals viel zu lange toleriert. Leider.
In den nächsten Tagen pries ich noch ein paar Mal meine Maschinen an. Die Reaktionen der Kunden waren allerdings zunehmend zurückhaltender, was den Besuch beim Einzelnen deutlich abkürzte. Der Grund war wohl die zunehmenden Berichterstattung über die neue Epidemie. Meine Maschinen stammen aus Spanien, mein Fahrzeug ist in Deutschland zugelassen.
Mich hatte am Tag zuvor die SMS einer Freundin erreicht, die ich gerne nach Feierabend in „Nowa Sól“ getroffen hätte. Dort schrieb sie mir, ihre Firma, welche die Tochtergesellschaft eines nahe meiner Heimat ansässigen Unternehmens ist, habe ihnen die Weisung erteilt, bis auf Weiteres Kontakte mit Ausländern zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund verstand ich, wieso allmählich die wenigsten Kunden zur Begrüßung ihre Hände reichten. Ich stammte aus einem „Gefährderland“.
Am letzten Tag, einem Freitag, besuchte ich keine Kunden mehr. Ich aß noch eine Gurkensuppe zu Mittag und vier Pirogen.
Beim Flanieren wurde ich von einem freundlichen, durstigen jungen Mann angesprochen, der gerne zwei Zloty für das günstigste Bier haben wollte. Ich gab ihm fünf. Er sollte wenigstens ein Gutes trinken.
Ein anderer hatte mich zwei Tage zuvor um einen Zloty gebeten – etwa 26 Cent. Jener erzählte mir, nicht ohne sich für die 2,5 zl. zu bedanken, er habe früher in Frankfurt so viel verdient, dass er ganz ohne finanzielle Bedenken oft die 700 km bis nach Hause im Taxi gefahren war.

Nicht, dass hier dem Leser ein falsches Bild entsteht: in Zielona Góra gibt es keine Bettler, oder fast keine. Der Letztbeschriebene ist mein Stammkunde. Er verweilt ständig vor einem Brunnen im Stadtzentrum, neben welchem sich praktischerweise ein Geschäft befindet. Reiche sieht man leider öfter, auch öfter als in Brandenburg oder in Leipzig.

Nach der Gurkensuppe und den Pirogen nahm ich noch einen Cappuccino mit einem sehr guten Stück Kuchen zu mir. Im Supermarkt kaufte ich polnische Butter, neun Eier – das zehnte hatte man offenbar gestohlen – und was natürlich jeder Nichtvegetarier kaufen sollte: genügend Wurst.
In einem Dorf traf ich noch auf einen Metallbauer. Meinen Katalog hinterließ ich in dessen Werkhalle unter der Aufsicht des Nachbarn.
Der starke Wind hatte sich bei der Überfahrt der polnischen Grenze in einen Sturm verwandelt fast so, als würde sich gerade die Welt verändern.

Ich verließ Polen an diesem Freitag dem 13.

Ende
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Re: Ein Tag im Leben der Beate B.

Beitragvon chaosracer » 29.11.2020, 02:44

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