CB500 aus erster Hand

Benzingespräche rund um das Motorrad und das Motorradfahren. Bitte keine technischen Probleme hier posten.

CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 11.07.2025, 08:11

Nun habe ich es doch getan. Mich noch einmal verliebt, in meinem Alter. Unvernünftig, aber schön.

CB500, Baujahr 1995, erste Hand, 10.500 km. Original Honda Koffersatz (unbenutzt), original Sturzbügel.
Kauf im Juni 1995 mit dem Zubehör für 10.500 DM laut Originalrechnung. 1000er und 6000er Inspektion gemacht, abgemeldet seit 2009, Tank komplett rostfrei, Motor läuft perfekt, da er mehrmals jährlich für längere Zeit laufen gelassen wurde. Tank voll, hat nie Ethanol gesehen.

Serviceheft, Bedienungsanleitung, Bordwerkzeug, alle Schlüssel mit Plakette der Nummer, alle Rechnungen der letzten 30 Jahre. Bingo. Mehr Zeitgeist geht nicht.

Ich zeige euch einfach ein paar Bilder.

Ansaugstutzen, Filter, Kerzen und Flüssigkeiten habe ich schon neu. Die brüchigen Blinker und die nicht minder brüchigen Reifen sind schon bestellt, dann geht es zum TÜV. Hab' ja bald Geburtstag :jippie:
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Hondareiter » 11.07.2025, 09:49

Morgen Micha
Eine von den letzten gut erhaltenen Maschinen mit kompletter Historie.
Die Historie ist meistens bei Erstbesitzern mit den Jahren einiges verloren gegangen.
Ich habe immer wieder festgestellt, an verschiedenen CB500, das die Zeit auch in der
Garage dunkel abgestellt, an manchem Kunststoff besonders Blinker nagt.
Auch niedrige Luftfeuchtigkeit über viele viele Jahre unbehandelt für Rostpartikel sorgt.
Aber trotzdem ist deine CB500 eine Wunderbare Maschine, die Glück hatte, das kein
E5 gepanschtes Benzin in den Tank und Vergaser gefüllt wurde und keine uns bekannten
Schäden und Probleme bereitet hat.
Ich hoffe das diese hüpsche Maus , bei Dir in den Besten Händen bleiben darf.
LG Christian
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Haves2005 » 11.07.2025, 09:51

Wow - die sieht ja aus wie neu!
Nicht schlecht :wohow:
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 11.07.2025, 10:23

Guten Morgen ihr zwei,

tatsächlich war die Schönheit auch hier wieder unter viel Dreck verborgen und ich habe, was Tank und Vergaser angeht, nach 16 Jahren mit dem Schlimmsten gerechnet. Umso überraschter war ich, als der Verkäufer meinte "nein, die läuft, die Batterie ist auch neu und ich habe nach jedem Laufen lassen den Tank wieder mit dem Kanister aufgefüllt".

Auf meine Bitte, zur Abholung möglichst viel Papierkram aus der Geschichte der CB mitnehmen zu können, bekam ich bis hin zur Quittung für seine Lederkombi nach der Fahrschule alles in einer Mappe. Den Händler MTS in Hamm gibt es leider nicht mehr, sonst hätte ich die mal angeschrieben.

Die bleibt jetzt wirklich bei mir, und wenn es aus Sentimentalität ist. Ich habe ja nun schon 17 Jahre CBs aus allen Baujahren gehabt und "brauche" sie vielleicht nicht, aber es ist ein tolles Stück Zeitgeschichte. Jetzt werden die vollen 58 PS freigelegt, die Fabrikatsbindung ausgetragen und neuer TÜV gemacht.

Die Koffer sind zwar technisch gesehen Hepco Becker Junior, aber von Honda und mit entsprechendem Dekor und sehen aus wie neu. Dafür sehe ich über die etwas gewöhnungsbedürftigen Träger hinweg.

Übrigens gibt es PC26-Blinker inzwischen als Nachbau mit viel kürzeren Stangen. Die kommen rundum zum Einsatz. Kennzeichen wird übrigens CE-HO500 ;)
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Free-sky » 11.07.2025, 11:25

WOW! Sahnestück!

Könnte man fast meinen, du bist sentimental ;)
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 11.07.2025, 12:48

Schnief.
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Chickenmarkus » 12.07.2025, 14:50

Mir kam zuerst das selbe in den Sinn: Wow!

Wo findet man denn so eine Rarität? Wurde die einfach auf mobile.de angeboten oder kam die über dein mittlerweile gigantisches Netzwerk?
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 12.07.2025, 17:10

Die war bei Kleinanzeigen inseriert, ganz normal. An sich ist so eine lange Stilllegung aber mit zumindest verstopften Vergasern und rostigem Tank verbunden, manchmal auch festgegangenen Bremsen. Deswegen ist es sinnvoll, erstmal vom Schlimmsten auszugehen. Als ich mit Martin, dem Vorbesitzer telefoniert habe, hat er mir eine Menge Fotos geschickt und erzählt, die CB würde auch laufen. Daraufhin habe ich direkt den Kaufpreis überwiesen, um sie auch ganz bestimmt zu bekommen.

Toll ist aber eben auch, dass noch alle Unterlagen da sind. Kaufvertrag, Serviceheft und so fort. Man muss sich vorstellen, dass Martin das Motorrad ernsthaft 30 Jahre besessen hat, ohne groß damit zu fahren. Das finde ich unerhört spannend. Vermutlich ist es auch die einzige, die nie umgekippt ist :D

Ich habe die Räder ausgebaut; Montag ziehen wir die neuen Reifen auf. Und bis dahin putze ich die ausgebauten Kleinteile mit Politur, schmiere den Bremssattel ab, öle die Bremsschlüsselwelle und so weiter. Das geht schon weit über normale Pflege hinaus. Die hier soll wieder sehr dicht am Zustand 1995 sein und ich habe Martin versprochen, ihm dann Fotos zu schicken.
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 13.07.2025, 18:05

Gestern habe ich den Motor gespült, Öl und Filter gewechselt.
Heute war die Bremsanlage vorne dran.

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Der Handbremszylinder bekam einen neuen Überholsatz, das Schauglas wurde gereinigt und DOT4 Plus eingefüllt und entlüftet.

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Die Bremszange sieht neuwertig aus, auch die Kolben bewegen sich leichtgängig. Also habe ich nur die Führungen geschmiert, alles sauber gemacht und mit neuen Bremsklötzen wieder zusammen gebaut.

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Weiter geht es morgen mit der Reifenmontage.
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Hondareiter » 14.07.2025, 11:07

Morgen Mischa
Da hat die Maschine Glück, das sie bei Dir gelandet ist, gute Arbeit mein Freund. :up:
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 14.07.2025, 20:06

Vielen lieben Dank Chris, ich freue mich wie verrückt auf die erste Fahrt. Momentan warte ich auf die neuen Blinker, damit ich TÜV machen kann. Die Räder bekomme ich morgen früh zurück.
Und neue Glühlampen will ich auch noch verbauen, vor allem in den Instrumenten.
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Hondareiter » 14.07.2025, 21:02

Was hast du für Blinker bestellt ?
Die Zubehör Nachbau aus Ebay für 20€ das Stück ?
Klär mich mal auf, wie das mit der Motul Spülung funktioniert.
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 14.07.2025, 21:26

Ansich viermal die kürzeren Nachbauten, die paarweise angeboten werden:
https://www.ebay.de/itm/226844690118

Aber das dauert schon wieder und die Sendungsverfolgung gibt nichts her, also auch noch zwei lange, damit ich bald zum TÜV kann:
https://www.ebay.de/itm/156125887096

Das Motul Mittel
https://www.oil-center.de/MOTUL-ENGINE- ... ung-300-ml
wird dem Motorül zugegeben, dann läuft der Motor zehn Minuten im Leerlauf und Du lässt das Öl ab. Ich hatte die Hälfte davon der lange stillgelegten CX500 zugegeben und den Rest jetzt für die CB benutzt. Ob dadurch jetzt etwas gelöst wurde, weiß ich nicht, ich habe das heiße Öl zwei Stunden ablaufen lassen. Da sollte zumindest alles heraus gekommen sein, was in der Schwebe war.

Im Tank ist Bactofin als Zusatz und ich habe mit frischem V-Power von Shell vollgetankt, um den alten Sprit aufzupeppen.

Posting automatisch zusammengeführt: Mo 14.Jul, 2025

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Der passende Prospekt ist auch bestellt!
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Hondareiter » 14.07.2025, 22:55

Vielen Dank jetzt bin ich schlauer. :up:
An meiner CB ist vorne rechts der Blinker abgebrochen,
Es sind vorne und hinten zwei verschiedene größen Zubehör angebaut,
das ist noch von der Vorbesitzerin so.
Aber ich möchte die originale Honda Blinker Form, wie du es machst.
Dann habe ich mich für die von Götz entschieden mit E Nummer.

https://www.ebay.de/itm/335790926105?_t ... 7X2TPA7ZNE

Frischer V-Power von Shell werde ich jetzt in der BMW und der CB auch Tanken mit Bactofin.
Habe den Rest Benzin heute abgelassen. :up:
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon KarlMeiDrobbe » 15.07.2025, 06:58

Flyingbrick » 14.07.2025, 21:26 hat geschrieben: also auch noch zwei lange, damit ich bald zum TÜV kann:
https://www.ebay.de/itm/156125887096


Die kurzen sind doch nach StVZO-ABE eh zu kurz?
§21 Abnahme nach EUrecht für n paar Blinker?
Oder einfach hoffen, dass man niemals auf einen Erbsenzähler trifft?
:kratz:
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 15.07.2025, 08:38

Da geht's ja nicht um die Länge der Blinker, die sogar ein woher auch immer stammendes e-Zeichen haben sollen. Der Abstand der Blinker zueinander ist entscheidend, und durch die "Ohrwascheln" des Kofferträgers ist der gefühlt unendlich. Wie diese 1,50 Kellen der militanten Kampfradler. Fehlt nur noch das orange Puky Fähnchen, das hin und her peitscht :D

Die Götz Blinker sind ein gutes Angebot. Ich schaue mir mal die langen Blinker aus meiner Bestellung an, das könnte das gleiche Modell sein.

Wegen des Kofferträgers entfallen ja die originalen Aufbockgriffe. Ich will zusätzlich zum Träger auch noch solche Griffe mit (langen) Blinkern fertig machen, dann kann ich wahlweise auch ohne Kofferträger fahren. Dank eines Tipps von gumic bin ich nämlich auch noch an einen FiveStars Topcaseträger gekommen.
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon KarlMeiDrobbe » 15.07.2025, 08:56

Flyingbrick » 15.07.2025, 08:31 hat geschrieben:Der Abstand der Blinker zueinander ist entscheidend, und durch die "Ohrwascheln" des Kofferträgers ist der gefühlt unendlich.


Das macht Sinn. ich dachte, die sollen an die Originalpositionen...


Flyingbrick » 15.07.2025, 08:31 hat geschrieben:Wie diese 1,50 Kellen der militanten Kampfradler.


Das ist reine Notwehr und sollte Pflicht für alle Radfahrer werden. Leider sind erstaunlich viele Behälterpiloten komplett geistesgestört und mordgeil! :censored:

Posting automatisch zusammengeführt: 15.07.2025, 08:54

Ein Freund von mir wurde auf dem Weg zur Arbeit von einem zu eng überholenden LKW "berührt" Dank der erheblichen Geschwindigkeitsdifferenz und der unnachgibigkeit des Stahls trug er unzählige Knochenbrüche und Organschäden davon.

Er hat das erstaunlicherweise überlebt, und wurde wochenlang von hervorragenden Ärzten zusammengeflickt, sodass er heute fast einwandfrei wiederhergestellt ist.

Aber das will man echt nicht haben und das ist auch total unnötig und vermeidbar. Leider kann das nur der sicher in seiner Airbaggepoltersterten Kapsel sitzende Autofahrer entscheiden. Der Radfahrer ist dem ungeschützt und Machtlos ausgeliefert.

Bei dem ganzen Aggresionspotenzial, welches sich in der Regel bevorzugt an schwächeren entlädt, echt eine bescheidene situation. :(
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 15.07.2025, 15:56

Vorderradeinbau. Schon an einer simplen Tachoschnecke kann man sich mit Reinigen und Fetten 15 Minuten aufhalten. Der 30 Jahre alte Schmodder ist frischem Fett gewichen :)

Und natürlich gilt das auch für die richtigen Schmuddelecken :D

Posting automatisch zusammengeführt: Di 15.Jul, 2025

So, Feierabend für heute :)
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Callinator » 15.07.2025, 22:58

Krass.
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Re: CB500 aus erster Hand

Beitragvon Flyingbrick » 16.07.2025, 07:06

Ich habe gerade mal eBay Kleinanzeigen auf das Modell PC26 und eine Laufleistung unter 20.000 km gefiltert. Vielleicht interessiert sich ja jemand dafür, sich so ein Schätzchen zu kaufen.

Es gibt sie noch, zumindest ein paar davon. Grob gehen die Preisforderungen von 800 bis 2400 Euro, wobei die niedrige Laufleistung nicht immer mit einem guten Zustand einher geht. Die billigste zum Beispiel zeigt mit einem eingedrückten Tank schon einen Teil der Problematik auf.

Von je her ist die CB bei Einsteigern und Wiedereinsteigern beliebt, auch mancher ältere Fahrer gibt irgendwann die Große weg und sucht etwas Leichteres für ein paar zusätzliche Motorradjahre. Das ist die Gruppe derer, die mit der Standsicherheit zu kämpfen hat. Geht eine CB durch viele Hände, wiederholt sich oft das Spiel und die Umkippschäden summieren sich. Man könnte meinen, dass es CB-Teile wie Sand am Meer gibt und was Technikteile angeht, stimmt das auch. Doch alle Lack- und Plastikteile sind neu gar nicht mehr und gebraucht, wenn überhaupt, nur in schlechtem Zustand und selten der passenden Farbe zu finden. Regel Nummer eins also: Wenn die CB schön werden soll, muss es eine der sehr seltenen sein, die noch nicht auf der Seite lagen. Das sind generell vielleicht zehn Prozent, eher weniger. Es ist dann auch deutlich wahrscheinlicher, dass der empfindliche Tacho, dessen Gehäuse bei Stürzen gerne zerstört wird, noch der erste ist und nicht sturzbedingt einem Teil mit geringerem Kilometerstand gewichen ist. Schaut euch auch unbedingt die Lenkanschläge an -hier darf nichts verformt, eingerissen oder nachgeschweißt sein.

Regel Nummer zwei schließt daran an, wir bleiben beim Tank. Wenig Kilometer bedeuten oft jahrelange Standzeiten, vor allem aber, dass der Sprit oft jahrelang im Tank bleibt, selbst wenn ab und zu gefahren wurde. Seit 2011 enthält Benzin in Deutschland Ethanol, das Wasser aus der Umgebungsluft anzieht, auch im Stand über die Tankbelüftung. Nicht nur, dass dieser Sprit erheblich schneller "umkippt" und nicht mehr zündfähig ist, erkennbar am bestialischen Gestank von Essigsäure. Der Wasseranteil sorgt auch nach wenigen Jahren für starken Rostansatz im Tank. Problematisch ist hier, dass der CB-Tank zwar entrostbar, aber nicht beschichtbar ist, weil dann die hier sehr spezielle Tankbelüftung verstopft. Daraus folgt, dass der Blick in den Tank die wichtigste technische Prüfung ist. Wenn uns hier ein rostfreier Tank anstrahlt, haben wir wiederum ein ganz seltenes Exemplar erwischt.

Regel drei ergibt sich daraus: rechne damit, dass fast immer die Vergaser zerlegt und gereinigt werden müssen, auch der Benzinhahn kann durch Rost aus dem Tank geschädigt sein. Wer ein Motorrad wie die CB in die Werkstatt bringt mit dem Auftrag, die Vergaser auszubauen und zu reinigen, wird regelmäßig um die 500 Euro los, ohne dass noch weitere Arbeiten anfallen. Stundenlöhne um 120 Euro sind branchenüblich und die Dichtsätze usw. kommen dazu. Daraus folgt Regel vier: so ein Kauf erfordert aus finanzieller Sicht zwingend, dass Du Dir technisch selber helfen kannst. Auch, weil viele Werkstätten sich mit Vergasern kaum noch auskennen.

Wo wir bei den Kosten sind, folgt Regel fünf. Unterschätze nicht die Folgekosten für Reifen und TÜV! An anderer Stelle im Forum wurde diskutiert, dass seit einiger Zeit Reifenfreigaben ungültig sind und bei Motorrädern mit deutscher Betriebserlaubnis -dazu zählt die CB- neue Reifenprofile entweder eingetragen oder die Fabrikatsbindung ausgetragen werden muss. Das hat den TÜV drastisch verteuert. Im Fall meiner CB fallen rund 200 Euro für neue Reifen an (die aufgezogenen sind bei solchen Laufleistungen oft Jahrzehnte alt). Die Montage auf ausgebaute Räder (selber ausbauen!) liegt bei 50 Euro. Das Austragen der Fabrikatsbindung liegt bei 150 Euro. Da viele alte CBs noch mit Drosselung herum fahren, so auch meine, kommen 20 Euro für die Ansaugstutzen und 60 für die Abnahme der Leistungsänderung dazu. Und schließlich fallen die normalen TÜV-Gebühren an, das sind 85 Euro. Als Selbstschrauber komme ich also nur für TÜV, volle 58 PS und neue Reifen auf 565 Euro. Werkstattkunden rechnen bitte eher mit 1000. Der Preis so mancher CB verdoppelt sich bis hierhin schon und hier zeigt sich vielleicht auch, warum ich eher an richtig guten CBs interessiert bin. Immerhin sind diese Kosten die gleichen, auch wenn das Motorrad es vom Wert nicht her gibt.

Was sich anschließt, ist die normale Prüfung aller Gebrauchten, das findet ihr auch im Wiki und muss hier nicht wiederholt werden.

Wer sich anfangs gewundert hat, dass bei ähnlichen Laufleistungen mal 800, mal 2400 Euro gefordert werden, findet in den fünf Regeln einen Teil der Erklärung. Nach 30 Jahren ergibt sich der Wert nicht zwingend aus der Laufleistung, sondern hat viel damit zu tun, ob bei den fünf Punkten jeweils die Mundwinkel nach oben oder unten gingen. Muss ich "das volle Programm" fahren, rostiger Tank, Sturzschäden, alte Reifen und Vergaser zu, dann stecke ich hinterher viel Geld und Arbeit rein. Klar, dass eine CB, die vom Zustand die Kilometer, aber nicht das Alter widerspiegelt, bei der die teuren Abnahmen gemacht sind und die rein optisch dem Neuzustand nahe kommt, hier normalerweise viel teurer ist. Ob man das nun zu zahlen bereit ist oder nicht, und ob der Verkäufer seinen Wunschpreis bekommt, wird man sehen.

Zum Schluss noch eine Entwarnung. Ihr werdet in den Weiten des Netzes so manche Warnung lesen, dass "Standuhren" jede Menge Probleme machen, alle Dichtungen lecken, alles tropft, Motoren innen rostig und und und. Ich weiß nicht, welche Erfahrungen diese Tippgeber haben und vor allem, ob sie jemals so ein Projekt angegangen sind. Ich bezweifele es aber stark. Inzwischen habe ich eine mindestens hohe zweistellige Zahl solcher Wiederbelebungen hinter mir und hatte keines der Probleme, schon gar nicht mit der CB. Klar, manchmal steckt die Bremsanlage voller geleeartiger Rückstände alter Flüssigkeiten, aber generell ist das eben eine der Aufgaben, die man selbst können sollte (mehrfaches Spülen mit Flüssigkeit) und nicht etwa ein KO-Kriterium für den Kauf.
Zuletzt geändert von Flyingbrick am 16.07.2025, 08:56, insgesamt 1-mal geändert.
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