von Flyingbrick » 16.07.2025, 07:06
Ich habe gerade mal eBay Kleinanzeigen auf das Modell PC26 und eine Laufleistung unter 20.000 km gefiltert. Vielleicht interessiert sich ja jemand dafür, sich so ein Schätzchen zu kaufen.
Es gibt sie noch, zumindest ein paar davon. Grob gehen die Preisforderungen von 800 bis 2400 Euro, wobei die niedrige Laufleistung nicht immer mit einem guten Zustand einher geht. Die billigste zum Beispiel zeigt mit einem eingedrückten Tank schon einen Teil der Problematik auf.
Von je her ist die CB bei Einsteigern und Wiedereinsteigern beliebt, auch mancher ältere Fahrer gibt irgendwann die Große weg und sucht etwas Leichteres für ein paar zusätzliche Motorradjahre. Das ist die Gruppe derer, die mit der Standsicherheit zu kämpfen hat. Geht eine CB durch viele Hände, wiederholt sich oft das Spiel und die Umkippschäden summieren sich. Man könnte meinen, dass es CB-Teile wie Sand am Meer gibt und was Technikteile angeht, stimmt das auch. Doch alle Lack- und Plastikteile sind neu gar nicht mehr und gebraucht, wenn überhaupt, nur in schlechtem Zustand und selten der passenden Farbe zu finden. Regel Nummer eins also: Wenn die CB schön werden soll, muss es eine der sehr seltenen sein, die noch nicht auf der Seite lagen. Das sind generell vielleicht zehn Prozent, eher weniger. Es ist dann auch deutlich wahrscheinlicher, dass der empfindliche Tacho, dessen Gehäuse bei Stürzen gerne zerstört wird, noch der erste ist und nicht sturzbedingt einem Teil mit geringerem Kilometerstand gewichen ist. Schaut euch auch unbedingt die Lenkanschläge an -hier darf nichts verformt, eingerissen oder nachgeschweißt sein.
Regel Nummer zwei schließt daran an, wir bleiben beim Tank. Wenig Kilometer bedeuten oft jahrelange Standzeiten, vor allem aber, dass der Sprit oft jahrelang im Tank bleibt, selbst wenn ab und zu gefahren wurde. Seit 2011 enthält Benzin in Deutschland Ethanol, das Wasser aus der Umgebungsluft anzieht, auch im Stand über die Tankbelüftung. Nicht nur, dass dieser Sprit erheblich schneller "umkippt" und nicht mehr zündfähig ist, erkennbar am bestialischen Gestank von Essigsäure. Der Wasseranteil sorgt auch nach wenigen Jahren für starken Rostansatz im Tank. Problematisch ist hier, dass der CB-Tank zwar entrostbar, aber nicht beschichtbar ist, weil dann die hier sehr spezielle Tankbelüftung verstopft. Daraus folgt, dass der Blick in den Tank die wichtigste technische Prüfung ist. Wenn uns hier ein rostfreier Tank anstrahlt, haben wir wiederum ein ganz seltenes Exemplar erwischt.
Regel drei ergibt sich daraus: rechne damit, dass fast immer die Vergaser zerlegt und gereinigt werden müssen, auch der Benzinhahn kann durch Rost aus dem Tank geschädigt sein. Wer ein Motorrad wie die CB in die Werkstatt bringt mit dem Auftrag, die Vergaser auszubauen und zu reinigen, wird regelmäßig um die 500 Euro los, ohne dass noch weitere Arbeiten anfallen. Stundenlöhne um 120 Euro sind branchenüblich und die Dichtsätze usw. kommen dazu. Daraus folgt Regel vier: so ein Kauf erfordert aus finanzieller Sicht zwingend, dass Du Dir technisch selber helfen kannst. Auch, weil viele Werkstätten sich mit Vergasern kaum noch auskennen.
Wo wir bei den Kosten sind, folgt Regel fünf. Unterschätze nicht die Folgekosten für Reifen und TÜV! An anderer Stelle im Forum wurde diskutiert, dass seit einiger Zeit Reifenfreigaben ungültig sind und bei Motorrädern mit deutscher Betriebserlaubnis -dazu zählt die CB- neue Reifenprofile entweder eingetragen oder die Fabrikatsbindung ausgetragen werden muss. Das hat den TÜV drastisch verteuert. Im Fall meiner CB fallen rund 200 Euro für neue Reifen an (die aufgezogenen sind bei solchen Laufleistungen oft Jahrzehnte alt). Die Montage auf ausgebaute Räder (selber ausbauen!) liegt bei 50 Euro. Das Austragen der Fabrikatsbindung liegt bei 150 Euro. Da viele alte CBs noch mit Drosselung herum fahren, so auch meine, kommen 20 Euro für die Ansaugstutzen und 60 für die Abnahme der Leistungsänderung dazu. Und schließlich fallen die normalen TÜV-Gebühren an, das sind 85 Euro. Als Selbstschrauber komme ich also nur für TÜV, volle 58 PS und neue Reifen auf 565 Euro. Werkstattkunden rechnen bitte eher mit 1000. Der Preis so mancher CB verdoppelt sich bis hierhin schon und hier zeigt sich vielleicht auch, warum ich eher an richtig guten CBs interessiert bin. Immerhin sind diese Kosten die gleichen, auch wenn das Motorrad es vom Wert nicht her gibt.
Was sich anschließt, ist die normale Prüfung aller Gebrauchten, das findet ihr auch im Wiki und muss hier nicht wiederholt werden.
Wer sich anfangs gewundert hat, dass bei ähnlichen Laufleistungen mal 800, mal 2400 Euro gefordert werden, findet in den fünf Regeln einen Teil der Erklärung. Nach 30 Jahren ergibt sich der Wert nicht zwingend aus der Laufleistung, sondern hat viel damit zu tun, ob bei den fünf Punkten jeweils die Mundwinkel nach oben oder unten gingen. Muss ich "das volle Programm" fahren, rostiger Tank, Sturzschäden, alte Reifen und Vergaser zu, dann stecke ich hinterher viel Geld und Arbeit rein. Klar, dass eine CB, die vom Zustand die Kilometer, aber nicht das Alter widerspiegelt, bei der die teuren Abnahmen gemacht sind und die rein optisch dem Neuzustand nahe kommt, hier normalerweise viel teurer ist. Ob man das nun zu zahlen bereit ist oder nicht, und ob der Verkäufer seinen Wunschpreis bekommt, wird man sehen.
Zum Schluss noch eine Entwarnung. Ihr werdet in den Weiten des Netzes so manche Warnung lesen, dass "Standuhren" jede Menge Probleme machen, alle Dichtungen lecken, alles tropft, Motoren innen rostig und und und. Ich weiß nicht, welche Erfahrungen diese Tippgeber haben und vor allem, ob sie jemals so ein Projekt angegangen sind. Ich bezweifele es aber stark. Inzwischen habe ich eine mindestens hohe zweistellige Zahl solcher Wiederbelebungen hinter mir und hatte keines der Probleme, schon gar nicht mit der CB. Klar, manchmal steckt die Bremsanlage voller geleeartiger Rückstände alter Flüssigkeiten, aber generell ist das eben eine der Aufgaben, die man selbst können sollte (mehrfaches Spülen mit Flüssigkeit) und nicht etwa ein KO-Kriterium für den Kauf.
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