Hi Micha und Wolfgang,
ich hoffe, dass ein „Du“ für euch ebenfalls in Ordnung ist.
Zunächst möchte ich mich noch einmal bei euch (insbesondere aber bei dir Micha) für die wirklich ausführliche Beschreibung sowie für die sehr schnelle Beantwortung meiner Frage bedanken.

Tatsächlich habe ich gestern alles wieder zusammengebaut, weshalb ich meine Erfahrungen kurz für alle mit einem ähnlichen Problem teilen möchte.
Erfahrungsbericht:Angefangen habe ich mit einer erneuten Reinigung und Entfettung aller Gewindeflächen. Anschließend wurde der Kettenradträger wieder ins Hinterrad eingesetzt und zwei Gewindemuttern auf der runden Seite des Stehbolzens miteinander gekontert. Zum Kontern habe ich eine Halb- und eine Originalmutter verwendet. Danach habe ich auf die Gewindeseite des Stehbolzens, welche die Abflachung bzw. gerade Fläche aufweist, reichlich Schraubensicherung (
Loctite 243, Wichtig: Die Zeit bis zur Handfestigkeit beträgt ca. 45 Minuten!) aufgetragen.
Der Stehbolzen wurde anschließend zunächst vorsichtig von Hand einige Gewindegänge eingeschraubt und danach mit einem auf 10 Nm eingestellten Drehmomentschlüssel angezogen. Interessanterweise hält die mechanische Verbindung zwischen Stehbolzen und Kettenradträger nicht mehr als etwa 10 Nm aus. Bei einem höheren Drehmoment dreht sich der Stehbolzen lediglich weiter in den Kettenradträger hinein.
Offtopic:Diesbezüglich muss ich Micha bezüglich der erwähnten 35 Nm recht geben. Ich habe es spaßeshalber tatsächlich ausprobiert, den Stehbolzen im ausgebauten Zustand noch weiter einzuschrauben. Allerdings lässt sich der Kettenradträger in der Hand kaum so festhalten, dass man ein entsprechend hohes Drehmoment übertragen kann. Deshalb habe ich es bei den 10 Nm belassen. Wie bereits erwähnt, drehte sich der Stehbolzen bei höherem Drehmoment ohnehin nur weiter hinein. Glücklicherweise hatte ich von einem Ersatzteilspender noch einen weiteren Kettenradträger rumliegen, den ich für mein Motorrad jedoch an dieser Stelle noch nicht verwenden wollte. Dadurch konnte ich die Einschraubtiefe der Stehbolzen miteinander vergleichen und kontrollieren.
Weiter im Kontext des Erfahrungsberichts:Bezüglich der eben erwähnten Einschraubtiefe habe ich am originalen Kettenradträger eine verbleibende Stehbolzenlänge von ca. 21–22 mm (gemessen ab der Planfläche, auf welcher später das Kettenrad aufliegt) ermittelt. Dementsprechend habe ich alle Stehbolzen an meinem Kettenradträger so weit eingeschraubt, dass die verbleibende Stehbolzenlänge jeweils übereinstimmt.
Anschließend wurde das Kettenrad aufgelegt, dessen Plansitz kontrolliert und anschließend bei ausgebautem Hinterrad mit eingesetztem Kettenradträger die Muttern nach dem bekannten sternförmigen Muster (1, 3, 5, 2, 4) zunächst handfest angezogen. Das endgültige Anziehen erfolgte anschließend stufenweise mit den Drehmomenten 15, 30, 45, 60 und schließlich 90 Nm. Abschließend habe ich sicherheitshalber alle fünf Muttern nochmals mit 90 Nm kontrolliert („nachgeknackt“), bevor das Hinterrad wieder eingebaut wurde.
Noch als zusätzliche Information:Laut technischem Datenblatt von Loctite 243 wird die vollständige Endfestigkeit bei einer Stahl-Stahl-Verbindung erst nach etwa 72 Stunden erreicht. Da es sich hier jedoch um eine Stahl-Aluminium-Verbindung handelt, dürfte die tatsächliche Aushärtezeit etwas davon abweichen. Der Hersteller nennt auf seiner Webseite eine Mindestwartezeit von 24 Stunden. Diese würde ich in jedem Fall einhalten. Wer die Möglichkeit hat, die CB etwas länger stehen zu lassen, sollte meiner Meinung nach jedoch lieber mindestens 72 Stunden ab dem endgültigen Anziehen auf 90 Nm abwarten.
Zusätzlich würde ich empfehlen, während der ersten Ausfahrten nach der Reparatur den festen Sitz der Stehbolzen regelmäßig zu kontrollieren. Hierfür reicht im einfachsten Fall ein 19er Maul-Ringschlüssel aus. Sollte sich ein Stehbolzen gelöst haben, lässt sich dies damit sofort erkennen.
Abschließend möchte ich mich noch einmal für eure schnelle und kompetente Hilfe bedanken.
Vielleicht hilft dieser Erfahrungsbericht ja auch dem einen oder anderen, der künftig vor demselben Problem steht.
Viele Grüße
Leon
